Der Tag des Prinzessinnenseins CategoriesSPIELPLATZ

Der Tag des Prinzessinnenseins

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Immer wieder ist es ein entzückendes Phänomen, dass alle Kinder ab dem Alter von ungefähr zwei Jahren es lieben sich zu verkleiden. Woher kommt der Drang in eine andere Rolle zu schlüpfen? Sind wir bereits mit zwei Jahren unzufrieden mit unserem herkömmlichen Dasein? Sollte ich mir um meine Töchter Sorgen machen?
Natürlich kann ich mir erklären, warum sie gern wären wie, vor einem Jahr noch Lillifee oder eben derzeit wie Elsa. Natürlich kann ich nachvollziehen, was ein Glitzer-Tüll-Kleid für eine Faszination auslöst. Ich selber habe in einem Traum aus cremeweißen Tüll vor fünf Jahren geheiratet. Alle, die mich kennen, hat die Wahl des Kleids kaum gewundert.

Um zurück zu den Kindern zu kommen; so haben wir dieses Jahr nach dem ultimativen Glitzer-Feenstaub-Tüll-Kleid gesucht. Passend dazu, hatte Kaufhaus Schwager Eisenach eine Aktion, dass für ein paar Tage alle Fashings-Artikel 20% günstiger waren. Ich packte die Görls ein und erorberte mit ihnen die Fashingsabteilung. Wir brauchten nicht sehr lang, da fanden wir -zu meiner großen Verwunderung- ein hübsches „original“ Schneewittchenkostüm. Wie immer hatte Gretl die zündende Idee und Schischi kam ihr nach. Also trugen wir zweimal das Schneewittchenkostüm und eine neue Packung Kinderschminke zur Kasse.
Das Ganze, fast zwei Wochen vor Fasching, sodass die Kostüme bereits ein paar Mal ausprobiert und z.B. zu Oma ausgeführt wurden. Diese wurde dann so lang bearbeitet, bis sie Gretl noch mit einer schwarzen Perücke beglückte. Schon gestern Abend war die Vorfreude groß; im Bett wurde noch lange übers Verkleiden und Schminken getuschelt und ich sagte meinen Kindern mit „Schneewittchen 1 und Schneewittchen 2“ GuteNacht.
Kein Wunder also, dass Gretl am heutigen Rosenmontag um kurz nach sieben freudig aufgeregt im Flur stand, da sie am liebsten schon gestern oder vorgesten zum Schneewittchen geschminkt worden wäre.
Gesagt getan, etwas weißes Puder und ein wenig rote Lippen. Fertig war Schneewittchen eins. Schneewittchen Nummer zwei war entweder zu müde oder eben doch noch zu klein, jedenfalls konnte sie dem „ich-verkleide-mich-als…“ nichts abgewinnen. Sie weigerte sich beim Schneewittchenkleid, beim Elsa-Umhang und auch beim Vorschlag ein Zwerg von Schneewittchen zu werden. Für diesen Fall wäre ich besonders gut ausgestattet, mit den unglaublich niedlichen Lederhosen aus meiner und Boris‘ Kindheit. Dazu ein Hütchen und fertig-hach. Doch auch dazu war Schischi nicht aufgelegt.
„Böse Diefmutta“ nuschelte sie verschlafen durch ihren Noni (Schnuller). Ich zog ihr dunkelblaues Spitzenkleid, welches sie zu Weihnachten anhatte, aus dem Schrank und schlug ihr dazu ein dunkles Strinband und einen Umhang vor. Schnell wurde klar, mehr als das Kleid war nicht drin. Mir solls Recht sein, nur was ist wenn sie im Kindergarten all die anderen verkleideten Kinder sieht? Wird sie dann traurig, dass sie „nur“ ein Spitzenkleid von H&M trägt? Als vorrausschauende Mama, habe ich ihr mal ein Prinzessinnenkleid eingepackt 😉

Ehrlich gesagt, bin ich froh, dass wir uns in einer Stadt befinden, in der Fasching nicht zu groß gefeiert wird. Denn trotz meines Hangs zu schönen Kleidern und dem grundsätzlichen Drang in andere Rollen zu schlüpfen (siehe mein Beruf plus dazugehöriger Bühnenerfahrung), brauche ich die klassische Feierei zu Fasching oder Karneval nicht. Zwei Jahre Kölner Karneval reichen für ein ganzes Leben.
Nichtsdestotrotz tun mir die eschten Jecken und Naralesen heute doch sehr leid, wenn sie wegen einer Unwetterwarnung auf ihren Saufumzug verzichten müssen.
In diesem Sinne wünsche ich allen, die heute noch ordentlich HELAU oder ALAAF rufen einen tollen Rosenmontag, lasst euch den Spaß von ein bisschen Wind nicht verderben!

Artikel: Marie Helene Anschütz
Foto: Marie Helene Anschütz

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