Bei uns vor dem Georgentor
… war schon immer viel los. Glaubt ihr nicht? Dann fragt mal Wikipedia!

Der Urknall war die Wartburg. Dieser Promi unter Deutschlands Burgen thront seit fast tausend Jahren über unseren Köpfen wie ein Herrgott. Doch lediglich schöne Aussicht vom hohen Herrschaftssitz in Thüringens grüne Weite hätte dem Landgrafen nicht gereicht zum guten Hofleben. Daher ließen sie auch drunten tüchtig bauen, und zwar rund um den Verkehrsknoten an der seinerzeit schiffbaren Hörsel. Mindestens sieben alte Fernstraßen trafen hier aufeinander – quasi ein Leckerli für drei Märkte, für Kaufleute, Handwerker und Diebe, aber natürlich auch für Klöster, Kirchen und Kapellen. Als Eisenach 1283 das Stadtrecht erhielt, sicherten sich die wohlhabenden Bürger bereits mit einem drei Kilometer langen Mauerring von acht Metern Höhe vor ungebetenen Besuchern. Drinnen war an Kino und Kaffee to go zwar noch nicht zu denken, doch ein bisschen flanieren, schnuppern und shoppen konnte man allemal. Auch sich dem Volke präsentieren, gelegentlich Almosen verteilen oder halt mal bei einer Hinrichtung auf dem Galgenberg zugucken – das alles machte den mittelalterlichen Alltag bunt. Wer vom Westen her in die Stadt wollte, kam über die Frankfurter Straße (damals Via Regia bzw. Königsstraße) durchs Georgental, sah dabei wohl schon das alte „Clemensspittel an den Fichten“, wo Aussätzige sehnsüchtig aufs Himmelreich lauerten, und lief dann weiter am Roten Bach über’n Stiegk. Hier, am Fuße des Siechenbergs (auch da ein Spital für aussortierte Kranke), standen die Hütten der Leibeigenen und Fronknechte der Wartburg, die mit ihrer Hände Arbeit für der hohen Herren Wohlsein sorgten. Am östlichen Ende des Ehrensteigs, wo die Langen und die Kurzen Hessen (alte Heer- und Handelswege) in die Königsstraße mündeten, stand das Katharinenkloster. In dessen stattlichen Hallen fanden adlige Thüringer Damen ihr Domizil und Mitglieder der landgräflichen Familie, u. a. der aus dem berühmten „Sängerkrieg“ bekannte Musenfreund Hermann I., die letzte Ruhestätte. Auf der Katharinenstraße ging‘s weiter zum Georgentor, dem westlichen von insgesamt fünf Stadtzugängen (Nikolai-, Frauen-, Prediger- und Nadeltor). Linkerhand vorm Tor lag die Fischerstadt mit ihrem kleinen Binnenhafen und das von der heiligen Elisabeth gegründete „Neue Spital“ samt seiner Kapelle St. Annen. Rechtsseitig stand der Hellgrafenhof, reicher Ratsherrensitz und Herberge, sowie das „Gasthaus zum güldenen Schiffchen“, wo auch Fischmarkt abgehalten wurde.
Das gesamte Terrain, das den Namen des Eisenacher Schutzpatrons vom Georgentor durch die Georgen-Vorstadt bis ins Georgental schiebt, ist also höchst geschichtsträchtig. Dass sich auch unser Sommergewinnsfest bis mindestens ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, versteht sich von selbst. 1286 soll am Sonntag Lätare (drei Wochen vor Ostern) eine singende Prozession am Katharinenkloster vorbeigezogen sein. Vorangetragen wurde ein großer Strohmann. Nach einem Umzug über die Felder, bei dem man für Fruchtbarkeit und gute Ernte betete, hat man das Symbol im Wasser ertränkt – heute geht es in Flammen auf. Der uralte Brauch erfuhr seither allerlei Variationen, ist im Streit von Herrn Winter und Frau Sunna und mit „gut Ei und Kikeriki“ aber stets lebendig geblieben und ein wohl einzigartiges Markenzeichen „von uns“ vor dem Georgentor…
Ach, und übrigens: vor und hinter jedem Tor warten immer Überraschungen!
