Neujahrspaziergang zum Trenkelhof CategoriesThüringer Allgemeine Zeitung - Kolumne

Neujahrspaziergang zum Trenkelhof


Beim Anblick des mit Katzen bevölkerten Tierheims appelliert Zauberin Stefanie Krauß „Lasst eure Katzen kastrieren“

Nach fetten Feiertagen und vor‘m bald wieder beginnenden 2020er Alltag raus in Wald und Flur, laufen, tief durchatmen! Zum ersten Januarwochenende waren wir mit unserem Hund im Eisenacher Osten unterwegs, vorbei an der Hofferbertaue, am Trenkelhof und am Tierheim. Der  eigentlich Respekt einflößende Vierbeiner jenseits des Zauns freute sich über die Stippvisite des ihm offenbar genehmen Artgenossen; zwei Schwänze wedelten, wer weiß, was sie sich zu erzählen hatten. Derweil fiel mir der nachweihnachtliche Fund eines Hundewelpen in Ruhla ein, von dem ich gerade erst hörte, und sofort hatte ich all die unter den Tannenbaum gesetzten „Lebendgeschenke“ im Kopf – den allerliebsten kleinen Retriever mit Nikolausmütze, das mit Glöckchen behängte Katzenkind oder das ängstlich vor sich hin muffelnde Käfigkaninchen…

Und dachte auch an den danach meist zu erwartenden Run auf’s nächste Tierheim, wenn nämlich das süße Häschen den teuren Ledersessel mit Lochmuster verziert, die Katze ein paar Mal auf den Teppich gekackt oder der Welpe die Birkenstocksandalen zum Fressen schön gefunden hatte. Aber nein! Die Auskunft von  Tierheimleiterin Kerstin Wolf lautete nach diesem Jahreswechsel erfreulich anders und lässt hoffen, dass Wünsche und Schenken auch künftig von begrüßenswertem Sinneswandel gelenkt werden, zumindest in Eisenach. Wenn also bisher keine „Negativ-Überraschungen“ im Trenkelhof unterkommen mussten, bedeutet das andererseits nicht unbedingt Entwarnung: Erstens ist das Heim, das vorrübergehend ca. 100 Tiere beherbergen kann, mit derzeit fünf Hunden und 87 Katzen so gut wie „ausgebucht“, zweitens die enorme Zahl von Stubentigern alarmierend. Viel mehr geht einfach nicht! Für die umherstromernden Stadtkatzen, die oft von tierlieben Anwohnern gefüttert werden, ein Problem, denn wohin mit dem Nachwuchs? Zwei- bis dreimal jährlich kann Katze trächtig werden, sieben Winzlinge sind nicht selten. Dem stolzen Kater, der unser Gärtchen gelegentlich nach Fressbarem absuchte und den wir dann aus naheliegenden (Ab)gründen „Klodwig“ nannten, stellten wir natürlich auch stets gern ein wohlgefülltes Futterschälchen hin… ebenso die Nachbarn, bei denen er Karlchen, Kurt, Miez oder anders hieß. Eingedenk seines Zuchtpotentials schleppten wir den eingefleischten Stadtteilstreuner eines Tags zum Tierarzt, um ihn kastrieren zu lassen.

Das hat er uns – trotz Gewährung zweier Tage Rekonvaleszenz in unserer Wohnung – offensichtlich übelgenommen: kaum in die Freiheit entlassen verschwand Klodwig und kehrte nie mehr wieder. Immerhin kann er zur Vermehrung der Eisenacher Stadtkatzen nichts mehr beitragen, und demnach auch nicht zur  Überfüllung des Tierheims– wohlgemerkt er! Aber es gibt viele, die wie Klodwig leben – Tiere, die auf unser aller Verantwortungsbewusstsein angewiesen sind… auch im neuen Jahr.        

Diese Kolumne erschien Anfang des Jahres 2020 in der Thüringer Allgemeine Zeitung / Eisenacher Lokalteil.

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